Die Faszination der Himmelskörper, die Kraftfelder von Planeten, Sonne und Mond,
die Polarität von Licht und Dunkel berührten Nikola Dimitrov bereits in den frühen
Stadien seiner Malerei. Das Thema Kosmos und Mensch zieht sich als roter Faden
durch alle Phasen seiner Arbeit.
Auch das Malen von Kreisen und Spiralen und ihre räumliche Verdichtung zu Kugeln
beschäftigten ihn von Anfang an ebenso wie der Wille, aus der Fläche den Raum zu gestalten.
Seine zweite künstlerische Disziplin, die Musik, erschloss ihm die tieferen
Dimensionen der in den Gestirnen verkörperten Kräfte. Die Korrespondenz der den
Planeten zugeordneten geistigen und psychischen Energien mit Farben und Tönen,
ihr Bezug zu den akustischen Gesetzmäßigkeiten und dem klassischen Gebäude der
Harmonik ordneten sich zu einem System, in dem die verschiedenen Facetten seiner
künstlerischen Arbeit zu einer Einheit verschmolzen.
Die Planeten wurden zu einer zentralen Bedeutungsebene in seinen Bildern, aufs
engste verwoben mit Klangelementen, geometrischen Zeichen und Farben. Daraus
entwickelte Dimitrov eine eigene malerische Ausdrucksform, die ihn zu Bildern
von großer Eindringlichkeit befähigt.
Kristallisationspunkt dieser Entwicklung war die Umsetzung der Suite "Die Planeten"
von Gustav Holst im Jahr 1997. In den sieben großformatigen Porträts von Mars,
Venus, Merkur, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun erreichte die symbolisch-deutende
Annäherung an die Essenz der Planeten eine erste Perfektion.
Seit 1996 hat Dimitrov den kosmischen Kräften in zahlreichen Bildsequenzen unter
immer neuen Deutungs-Aspekten Gestalt gegeben. Nach wie vor sind die Planeten,
die Tierkreiszeichen, die Elemente mit ihren Qualitäten, die Spannungen zwischen
den kosmischen Konstellationen wichtige Inspirationsquelle seiner Bilder, genährt
auch von seiner intensiven Beschäftigung mit der klassischen und modernen Astrologie.
Eintauchen in das Licht und die Energien der Planeten
In der Kunst, das Licht der Planeten und die Ausstrahlung der Gestirne zu visualisieren,
ist Dimitrov zu technischer Meisterschaft gelangt. Die gemalten Körper wachsen
in die Tiefe, schweben in transparenter Leichtigkeit, verdichten sich zu konzentrierter
Materie in rhythmischer und pulsierender Bewegung.
Die kosmischen Spannungskräfte übersetzt er in die ihm eigene abstrakte Formensprache:
Die archaischen Formen von Linie, Kreis, Spirale, Dreieck, Quadrat - Urbilder
jeder gestalterischen Arbeit - sind sein Vokabular.
Die faszinierende Bildwirkung erzielt Nikola Dimitrov durch das Übereinanderlegen
zahlreicher transparenter Farbschichten. Die Farben verschmelzen zu betörend schönen
Farbklängen, aus denen Formen, Flächen und Räume von hintergründiger Symbolik und
kraftvoller Dynamik entstehen.
Durch stärkeren, pastösen Auftrag bilden sich Aufkrustungen und reliefhafte Ebenen.
Durch das Aufbrechen und Auskratzen der Farbe wird ein Darunter sichtbar, zeigen sich
Abgründe, geheimnisvoll illuminierte Tiefen. Das Wechselspiel zwischen Licht und
Dunkel, zwischen mattglänzender Zartheit und massiver, geradezu bedrängender
farbliche Dichte wird gemildert durch konturierende Linien und Flächen in
kontrastierender Farbigkeit.
Es sind Bilder von großer Intensität, mit einem fast magischen Zauber, die trotz
der rigiden Abstraktion eine starke Sinnlichkeit erreichen und damit auch die tiefen,
verborgenen Schichten im Betrachter berühren.
Die Charaktere der Planeten, die besondere energetische Schwingung der Sternzeichen
werden lebendig, schaffen Resonanzen auf psychischer und geistiger Ebene. In der
erhabenen Ruhe, die Dimitrovs Visualisierungen ausstrahlen, spiegelt sich die
Harmonie des Universums, klingt die zeitlose Melodie der Sphären, die auch den
Menschen auf den Weg zu innerer Einheit führen.
Dimitrov arbeitet in großen Formaten, im Wechsel mit kleinräumigen Vorlagen,
die ein spontanes, emotionaleres Arbeiten unterstützen, wenn neue Aspekte sich
in den Bildern ihren Ausdruck suchen. Er ergründet die kosmischen Themen mit großer
Virtuosität und Disziplin. Er malt in Serien, experimentiert auf unterschiedlichen
Materialien, komponiert verschiedenste Variationen, zerlegt und setzt neu zusammen.
In diesem Prozeß der analytischen Konzentration wird er immer freier und spontaner
in der Umsetzung, erhalten seine Bildern immer größere Dynamik und Assoziationskraft.
Stefanie Risch