Nikola Dimitrov   •   interdiziplinaire Konzepte und Projekte

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Die Planetenbilder - sechs 1999 bzw. 2000 entstandene malerische Interpretationen der Planeten Mars, Pluto, Saturn, Neptun und Uranus - schließen eine sich über mehrere Jahre erstreckende Auseinandersetzung mit dem Thema Kosmos und Mensch ab. In zahlreichen Bildsequenzen verwob Dimitrov wissenschaftliche, esoterische und mythologische Deutungen der Planeten zu einer vielschichtigen Symbolik psychischer Energien. Dieser konzentrierte Gestaltungsprozeß war begleitet von einer intensiven Erkundung von Material- und Farbverhalten und der Entwicklung einer eigenständigen Formensprache, die ihre Komponenten in einer archaischen Symbolik findet.

Insbesondere das Malen von Kreisen und Spiralen, ihre räumliche Verdichtung zu Kugeln, die sich überlagern, verdoppeln, verschmelzen, aber auch die Gestaltung des Raums aus der Fläche gehören zu den elementaren Themen der malerischen Arbeit von Dimitrov. In den vier 2,20 x 2,00 Meter großen Visualisierungen der Planeten Saturn, Neptun, Uranus und Pluto und in den 2,70 x 2,70 Meter großen Porträts von Mars und Pluto ging Dimitrov dabei an eine Grenze im Malen abstrakter Kreiskörper, die in die Tiefe wachsen und in rhythmischer und rotierender Bewegung den Raum erobern.

Schon die Größe der Bilder bedingte eine ganz konkrete psychische und körperliche Erfahrung beim Malen: Der Künstler war direkt in den Kreis hineingestellt. Der Radius der Arme bestimmte die Form. Der eigene Körper wurde zum Maß, zum begrenzenden Element. Es gab keine innere und keine räumliche Distanz mehr zum Bild. Der Maler wurde zum Teil des Entstehungsprozesses selbst.

Es war ein Malen an der Grenze auch des technisch Machbaren. Liegend auf einem selbst gebauten Gestell wurden die riesigen Formate des Mars und des Pluto bewältigt und die Dynamik der Kreisform in Segmenten geschaffen. Form und Tiefenstruktur entstanden dabei allein durch die Farbe, den rhythmischen Auftrag, die Schichtung immer neuer Lagen flüssigen Acryls und Tusche, durch die gezielte Beeinflussung der Dynamik des Zerfließens.

Dieses Arbeiten an der Kreisform beinhaltet für den Künstler wie den Betrachter eine magische Komponente. Ein Aspekt ist das Hineinziehen in die Tiefe, ein Sich-Verlieren in den Linien der Spirale, die ohne Anfang und Schlußpunkt Unendlichkeit erfahrbar machen. Ein anderer das Betreten eines geschlossenen Systems, das eine durch die Kraft des Kreises geschützte Innenwelt von einer Außenwelt abgrenzt und ein in sich ruhendes Ganzes schafft, erhaben, unberührt, zeitlos.

Der Kreis als Symbol für das geistige Prinzip wird durch den Rahmen in ein Quadrat gestellt, das Symbol der Materie, der Erdung, der Endlichkeit. Der Malende wie der Betrachter bewegt sich zwischen diesen Welten.

Diese letzten großen Planetenporträts sind daher meditative Werke unter dem Aspekt ihrer Entstehung wie ihrer Rezeption. Als Schluß- und Höhepunkt in der malerischen Auseinandersetzung mit dem Bedeutungskreis der Planeten gelangen Interpretationen von großer suggestiver Ausstrahlung und subtiler Energie, die Raum lassen für die vieldeutigen psychischen und symbolischen Inhalte der porträtierten Planeten :


die harte, klare Struktur und Erdhaftigkeit des Saturn, der mit Grenzen, Einschränkungen, Angst assoziiert wird sowie mit Disziplin, Gesetz und Maß, aber auch mit den Möglichkeiten an diesen Begrenzungen zu wachsen,

das Lichte, Zukunftsoffene des Uranus, der Freiheit und Individualität verkörpert und die Kraft sich loszulösen, Neues zu schaffen, indem er die Strukturen des Überkommenen sprengt,

das Zerfließende, Nebelhafte des Neptun, der grenzen- und formlos alle Konturen aufweicht und aus einem dunklen, chaotischen Urgrund vielfältige kreative Formen wachsen läßt, pflanzenhaft, ahnend,

des in die Tiefe gehenden Pluto, der Wandlung schafft durch Tod und Opfer, der transformiert durch Prozesse des Stirb-und-Werde, der in die Abgründe der Macht, der Psyche, der kollektiven Notwendigkeiten führt

des kämpferischen Mars, der Kraft gibt zur Durchsetzung, zur Selbstbehauptung, der das Prinzip der Männlichkeit, der Aggression versinnbildlicht, das Krieg und Zerstörung bringt, aber auch die Tatkraft und Energie zu Aufbau und Neuschöpfung.


Stefanie Risch. Dezember 2003