Die Planetenbilder - sechs 1999 bzw. 2000 entstandene malerische Interpretationen
der Planeten Mars, Pluto, Saturn, Neptun und Uranus - schließen eine sich über mehrere
Jahre erstreckende Auseinandersetzung mit dem Thema Kosmos und Mensch ab.
In zahlreichen Bildsequenzen verwob Dimitrov wissenschaftliche, esoterische
und mythologische Deutungen der Planeten zu einer vielschichtigen Symbolik psychischer Energien.
Dieser konzentrierte Gestaltungsprozeß war begleitet von einer intensiven Erkundung
von Material- und Farbverhalten und der Entwicklung einer eigenständigen Formensprache,
die ihre Komponenten in einer archaischen Symbolik findet.
Insbesondere das Malen von Kreisen und Spiralen, ihre räumliche Verdichtung zu Kugeln,
die sich überlagern, verdoppeln, verschmelzen, aber auch die Gestaltung des Raums
aus der Fläche gehören zu den elementaren Themen der malerischen Arbeit von Dimitrov.
In den vier 2,20 x 2,00 Meter großen Visualisierungen der Planeten Saturn, Neptun,
Uranus und Pluto und in den 2,70 x 2,70 Meter großen Porträts von Mars und Pluto
ging Dimitrov dabei an eine Grenze im Malen abstrakter Kreiskörper, die in die
Tiefe wachsen und in rhythmischer und rotierender Bewegung den Raum erobern.
Schon die Größe der Bilder bedingte eine ganz konkrete psychische und körperliche
Erfahrung beim Malen: Der Künstler war direkt in den Kreis hineingestellt.
Der Radius der Arme bestimmte die Form. Der eigene Körper wurde zum Maß, zum begrenzenden Element.
Es gab keine innere und keine räumliche Distanz mehr zum Bild. Der Maler wurde zum Teil des Entstehungsprozesses selbst.
Es war ein Malen an der Grenze auch des technisch Machbaren. Liegend auf einem selbst
gebauten Gestell wurden die riesigen Formate des Mars und des Pluto bewältigt und die
Dynamik der Kreisform in Segmenten geschaffen. Form und Tiefenstruktur entstanden dabei
allein durch die Farbe, den rhythmischen Auftrag, die Schichtung immer neuer Lagen
flüssigen Acryls und Tusche, durch die gezielte Beeinflussung der Dynamik des Zerfließens.
Dieses Arbeiten an der Kreisform beinhaltet für den Künstler wie den Betrachter eine magische Komponente.
Ein Aspekt ist das Hineinziehen in die Tiefe, ein Sich-Verlieren in den Linien der Spirale,
die ohne Anfang und Schlußpunkt Unendlichkeit erfahrbar machen. Ein anderer das Betreten
eines geschlossenen Systems, das eine durch die Kraft des Kreises geschützte Innenwelt von
einer Außenwelt abgrenzt und ein in sich ruhendes Ganzes schafft, erhaben, unberührt, zeitlos.
Der Kreis als Symbol für das geistige Prinzip wird durch den Rahmen in ein Quadrat gestellt,
das Symbol der Materie, der Erdung, der Endlichkeit. Der Malende wie der Betrachter bewegt
sich zwischen diesen Welten.
Diese letzten großen Planetenporträts sind daher meditative Werke unter dem Aspekt ihrer Entstehung
wie ihrer Rezeption. Als Schluß- und Höhepunkt in der malerischen Auseinandersetzung mit dem
Bedeutungskreis der Planeten gelangen Interpretationen von großer suggestiver Ausstrahlung und
subtiler Energie, die Raum lassen für die vieldeutigen psychischen und symbolischen Inhalte
der porträtierten Planeten :
die harte, klare Struktur und Erdhaftigkeit des Saturn, der mit Grenzen, Einschränkungen, Angst
assoziiert wird sowie mit Disziplin, Gesetz und Maß, aber auch mit den Möglichkeiten an diesen
Begrenzungen zu wachsen,
das Lichte, Zukunftsoffene des Uranus, der Freiheit und Individualität verkörpert
und die Kraft sich loszulösen,
Neues zu schaffen, indem er die Strukturen des Überkommenen sprengt,
das Zerfließende, Nebelhafte des Neptun, der grenzen- und formlos alle Konturen
aufweicht und aus einem dunklen, chaotischen Urgrund vielfältige kreative Formen
wachsen läßt, pflanzenhaft, ahnend,
des in die Tiefe gehenden Pluto, der Wandlung schafft durch Tod und Opfer, der
transformiert durch Prozesse des Stirb-und-Werde, der in die Abgründe der Macht,
der Psyche, der kollektiven Notwendigkeiten führt
des kämpferischen Mars, der Kraft gibt zur Durchsetzung, zur Selbstbehauptung,
der das Prinzip der Männlichkeit, der Aggression versinnbildlicht, das Krieg und
Zerstörung bringt, aber auch die Tatkraft und Energie zu Aufbau und Neuschöpfung.
Stefanie Risch. Dezember 2003